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GeschichteWie die Schweiz das Singen erlernte,
von Sibylle Ehrismann Archivkatalog des Staatsarchivs Basel-Stadt Woher wir kommen, von Urlich Goetz An dieser Stelle die Geschichte des Basler Gesangvereins aufzuzeichnen, würde den Rahmen sprengen, hat ja auch schon ganze Bücher gefüllt. Trotzdem sei ein punktueller Rückblick gewagt, einerseits um einige "Leitmotive" anzutönen, die den BGV durch über 180 Jahre hindurch begleitet haben. Und anderseits ist auch stichwortartig nachzutragen, was sich in den vergangenen 25 Jahren so zugetragen hat. Schon deshalb, damit künftige Festschrift-Schreiber ihre Arbeit nicht gänzlich aufs Hörensagen abstellen müssen. Eine Konstante, die sicher erwähnenswert ist, wird schon in der "Ahnengalerie" augenfällig: Es waren immer herausragende Persönlichkeiten, die den Charakter des BGV prägten. Und diese Prägung war jeweils nachhaltig, denn der BGV erlebte in seiner langen Geschichte nur gerade acht Dirigenten (Hans Huber inbegriffen, der den Taktstock nach nur drei Jahren wieder niederlegte). Diese personelle Kontinuität hat den BGV zu dem gemacht, was er ist, hat dem Chor jeweils die von der Person des Dirigenten geprägte Qualität gegeben. Bei so viel Kontinuität lauert anderseits die Gefahr der Erstarrung, wie der Chor einige Male in seiner Geschichte und so auch in den letzten Jahren der Münch-Ära erfahren musste. Es ist das Verdienst der damaligen "Kärrner" (also derjeniger, welche die Geschicke des Vereins im Hintergrund lenken), dass sie diese Gefahr noch rechtzeitig erkannt und den fälligen Ablösungsprozess in die Wege geleitet haben. So kann sich der Schreibende noch gut an die erste Probe unter Münch-Nachfolger Etienne Krähenbühl erinnern - es muss im Januar 1978 gewesen sein. Plötzlich war vom Chor wieder Disziplin und Präzision gefordert, Stricken, Schwatzen oder Zeitungslesen während der Proben lag nicht mehr drin. Das Resultat harter Arbeit konnte bereits im Frühlings-Konzert gehört werden in einer Matthäus-Passion, die für die Ohren der Basler Hörerschaft ganz neue Töne anschlug. Unvergessen ist auch Krähenbühls Interpretation des Mozart-Requiems im darauffolgenden Sommer. Das Münster war zweimal bis auf den letzten Platz besetzt - möglich, dass Formans Film "Amadeus", der gleichzeitig in den Kinos lief, da ein wenig nachgeholfen hat. Ebenfalls unter Krähenbühl wagte sich der BGV 1984 (zum zweiten Mal seit 1964) ans Dvorak-Requiem, dessen Sonntags-Aufführung dem Münster - diesmal dank begeisterter Mund-zu-Mund-Propaganda - ebenfalls "full house" bescherte. Wie sich der Chor unter der Leitung von Etienne Krähenbühl weiterentwickelt hätte, lässt sich nur erahnen, denn am 23. September 1985 verlor der BGV seinen Dirigenten in einem Verkehrsunfall. Das war eine Tragödie für die Familie, aber auch für den BGV. Man stand mitten in den Proben zu Händels "Judas Maccabäus", der Dezember-Konzert-Termin nahte und wir brauchten dringend einen Dirigenten, der ein solch grosses Projekt professionell durchziehen konnte. Er wurde gefunden in der Person von Franz Schaffner, der die schwierige Aufgabe mit Bravour meisterte. Nun folgte wohl der aufregendste Abschnitt in der Vereinsgeschichte. Denn statt nun möglichst schnell einen neuen Dirigenten einzustellen, kamen die "Kärrner" (damals unter der Leitung von Fritz Breitenstein) auf die im Rückblick wagemutig anmutende Idee, jedem Bewerber die Realisierung eines Probe-Konzertes anzuvertrauen. So konnte jeder Kandidat seine pädagogischen Fähigkeiten in der Probenarbeit und sein Geschick im Umgang mit den Orchestermusikern gleichermassen unter Beweis stellen. Der Chor ging während zweier Jahre durch ein Wechselbad unterschiedlicher künstlerischer Auffassungen und Aufführungsstile, was natürlich hochspannend war. So durften wir mit Hans-Martin Linde musizieren (Beethovens "Christus am Ölberg"), unter Hanns Friedrich Kunz führten wir das Brahms-Requiem auf, und Beat Raaflaub dirigierte uns in einem Mozart/Schubert-Konzert. Peter Eidenbenz absolvierte dann im Frühling 87 sein "Gesellenstück" mit der "Johannespassion" derart überzeugend, dass der Fall ziemlich klar war. Das Intermezzo war beendet und der BGV wieder in festen Händen. Über die Ära Eidenbenz darf festgehalten werden, dass er der Dirigent war, der den Chor in die Moderne geführt hat. Ohne die alten Meister zu vernachlässigen hat er das BGV-Repertoire mit Werken von Klassikern dieses Jahrhunderts wie Burkhard, Britten, Hindemith, Janacek, Kodaly, Schnittke und Schönberg ergänzt. Mit Erreichen des 70. Geburtstags hat Peter Eidenbenz die künstlerische Leitung des BGV im April 2006 abgegeben. Adrian Stern leitet den BGV seit Mai 2006. Er wurde von der Generalversammlung im September 2005 als Nachfolger von P. Eidenbenz gewählt. Dieser Wahl vorausgegangen war eine aufwendige Dirigentensuche. Über 50 Kandidaten und Kandidatinnen haben sich für diese Stelle beworben. |
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